6 Fragen an … “Ultra Marathon Mom” Holly Zimmermann

Guten Tag Frau Zimmermann, Sie stellen sich zu Beginn ihres Buches „ULTRA MARATHON MOM“ die Frage, ob Sie eine schlechte Mutter sind.

Wie beantworten Sie die Frage am Ende des Buches und heute?

Die Frage, ob ich eine schlechte Mutter bin, war in der Ironie eindeutig als rhetorische Frage gemeint. Gegen Ende des Buches, als ich aus der Wüste zurückkam, sah eine meiner Töchter voller Stolz zu mir auf und sagte: “Ich bin so froh, dass du meine Mutter bist.” Meine Familie steht immer an erster Stelle und das wissen sie. Es ist dieses Vertrauen, das mir die Kraft gibt, weit weg von zu Hause zu reisen und das zu tun, was ich liebe.

Sie sind den Wüstenlauf Marathon des Sables gelaufen und waren für einen Wettkampf in der Arktik. Es fällt dabei im Buch der Begriff „Extrem-Sport“ oder „Extremläuferin“.

Sehen Sie sich selbst als jemand, der etwas „exrem“ betreibt? Immerhin stehen heutzutage ja Tausende Menschen bei Ultratrails am Start und nicht mehr nur ein paar Masochisten oder „Verrückte“.

Ist es vielleicht doch eher ein anstrengender Breitensport?

Langstrecken-Trailrunning hat in den letzten Jahren sicherlich an Beliebtheit gewonnen, was durch die Lotterien deutlich wird, die für die Teilnahme an einigen der beliebtesten Rennen erforderlich sind. Gleiches gilt für Großstadtmarathons, eine Startnummer für Berlin ist nicht mehr garantiert. Und obwohl die Leser von Ultra und Trailmagazin einen Mountain Ultra nicht für extrem halten, sind wir aus Sicht der meisten unserer Freunde und Familien immer noch eine Gruppe von Masochisten und Verrückten!

Was ist denn schwieriger oder extremer: ein Lauf in den Bergen, auf die Zugspitze oder durch die Sahara?

Das kommt auf die Person an. Manche Menschen lieben die Kälte, andere die Hitze. Einige laufen nur in flachem Gelände, während andere die Höhe bevorzugen. Und am Ende kommt es auf das Training an. Wenn man gut vorbereitet ist, kann auch das schwierigste Rennen Spaß machen. Persönlich liebe ich es in der Hitze zu laufen. Somit war die marokkanische Wüste angenehm für mich. Ich liebe auch die Berge und bin fasziniert von den Gletschern – ich wähle deshalb meine Wettkämpfe entsprechend aus. Kürzlich fragte mich mein Mann, warum ich noch keinen Dschungel-Ultra gelaufen bin. Einfache Antwort: Schlangen, Spinnen, Blutegel. Daher wird ein Dschungel-Ultra niemals seinen Weg auf meine Bucket-Liste finden.

 

Wie wichtig ist Ihnen als Sportlerin die Außendarstellung und dass andere Menschen davon mitbekommen, was Sie tun und leisten?

Als Amerikanerin, die in Deutschland lebt und durch einen Ozean von ihrer Familie getrennt ist, begann ich über mein tägliches Leben und meine Abenteuer zu schreiben, um meine Familie und Freunde über mein Leben auf dem Laufenden zu halten. Als ich mich 2015 auf den Marathon des Sables vorbereitete, fand ich in einer gründlichen Internet- und Literaturrecherche nur sehr wenige hilfreiche Informationen zu den Themen Training, Ausrüstung und was ich in der marokkanischen Wüste erwarten soll. Aus diesem Grund dokumentierte ich meine Vorbereitungen und Erfahrungen, damit andere ihren ersten Wüsten-Ultramarathon besser planen können. Statt auf einem öffentlichen Blog erschienen mein tägliches Tagebuch aus der Wüste sowie viele meiner Lebensabenteuer im Buchformat. Das heißt, ob mein Name auf dem Cover steht oder nicht, interessiert mich weit weniger als die Dankbarkeit und das positive Feedback, das ich von anderen für die Dokumentation und öffentliche Enthüllung meines Privatlebens erhalten habe. 

Ihre Kinder werden größer und älter – wird es dadurch einfacher sich mehr auf den Sport zu konzentrieren?

Kinder, die größer und älter sind, bedeuten nicht unbedingt, dass die Erziehungsverantwortung einfacher ist! Ich habe vier Kinder im Alter von 11 bis 17 Jahren und alle leben noch zu Hause. Natürlich habe ich mehr Flexibilität im Umgang mit meiner persönlichen Zeit, was es mir ermöglicht mehr zu tun. Sehr oft trainieren meine Kinder mit mir und sind bei vielen Rennen dabei, bei denen sie zusammen mit meinem Ehemann als Road-Crew entlang der Strecke teilnehmen. So erleben sie ihre eigenen fabelhaften Abenteuer, die sich mit meinen überschneiden.

Sie sind US-Amerikanerin und kamen vor rund 20 Jahren nach Deutschland. Vermissen Sie den Style, wie Trailrunning dort gelebt wird?

Ich bin im Bundesstaat Rhode Island in New England aufgewachsen, wo es zu dieser Zeit noch kein Trailrunning gab. Daher konzentrierte sich mein sportlicher Hintergrund auf Mannschaftssportarten: Feldhockey, Softball, Basketball, Cross-Country-Laufen, Fußball und auch Lacrosse an der Universität. Laufen als Sport an sich wurde erst zu meiner Leidenschaft, als meine Kinder geboren wurden. Es war der einfachste Weg für mich, in Form zu bleiben – wie viele andere Mütter mit kleinen Kindern dies auch entdeckt haben! Jetzt absolviere ich mein Training mit Road- und Mountainbiken, Yoga, Klettern, Kajakfahren, Snowboarden, Tennis und Skitouren. Ein aktiver Lebensstil anstelle eines konzentrierten Trainings ist meiner Meinung nach der beste Ansatz für uns alle, um fit zu bleiben!

Share your thoughts

X